• Die Geschichte

    Park und Villa Haas

    Historismus und Jugendstil

    Die Gründung des neuen deutschen Kaiserreiches, der Übergang von Nassau zu Preußen, eine verbesserte Infrastruktur durch Bau der Eisenbahn Giessen – Köln - Siegen 1859-62 führte in Bergbau und Hüttenwesen sowie im weiterverarbeitendem Handwerk zu regionalem Wirtschaftswachstum.

     

    Im Lahn/Dill/Sieg-Gebiet kam es im Übergang von der Landwirtschaft zur Industrie zu einer Vielzahl von Bauprojekten, die das neue Selbstbewusstsein der aufstrebenden Unternehmerschichten repräsentierten.

     

    Nur 100 Jahre später ist keines dieser Objekte aus der Zeit von Historismus und Jugendstil weder im ursprünglichen Zustand noch im Umfeld erhalten. Eine glückliche Ausnahme in Hessen sind Park und ehem.Villa Haas.

     

    Sie befindet sich am Ortsausgang von Sinn in Richtung Herborn am Südwesthang des Mittelgebirgszuges „Hörre“ an den Flurstücken Beilstein und Bräutigamsstück.

    Rudolf Haas

    Die Erbauer des Anwesens Familie Rudolf Haas, Miteigner der gegenüberliegenden ehem. Neuhoffnungshütte, gaben 1892 einem damals noch unbekannten jungen Architekten (Ludwig Hofmann, Herborn) den Vorzug gegenüber dem aus Essen stammenden renommierten Baumeister Wilhelm Bovensiepen.

    Die Parkanlage

    Viele Generationen beeinflussten die Parkanlage und den Landsitz in künstlerischer Gestaltung und praktischer Nutzung. Geblieben sind einzigartig schöne Details, z. B. eine Steinsammlung aus Findlingen, Quarziten, Vulkansteinen, Inschriften sowie witzige Reminiszenzen auf die Herren v. Dernbach und Götz v. Berlichingen.

    Der Glockenturm

    Die Glocken im Turm werden von einer seltenen elektromechanischen Uhr mit Schlagwerk gesteuert. (inscr. Virtutis fortuna comes) In den Notzeiten beider Weltkriege wurden Teile des Parks auch landwirtschaftlich genutzt und neben dem Eiskeller eine Pilzzucht betrieben. Nach dem 2. Weltkrieg quartierten sich für kurze Zeit amerikanische Offiziere und danach bis zur Währungsreform zum Teil Flüchtlinge ein. Ende der 70er Jahre kanalisierte man den angrenzenden Bachlauf. Aus dem Kirschgarten wurde Baugebiet, Gärtnerei und Palmenhaus mussten einem Gewerbekomplex weichen.

    Familie Müller

    Das Anwesen ging 1978 in den Besitz von Dr. Klaus F. Müller über. Dessen Vater, Dipl. Ing. Helmut Müller, übernahm die Bauleitung, um die vernachlässigte Anlage sachgerecht unter den Bedingungen des Denkmalschutzes zu restaurieren.

     

    Bis 2007 nutzte Dr. Müller (Mitbegründer der Gesellschaft für europäische Implantologie 1976) die Villa als Wohnung sowie als Spezialpraxis für orale Implantologie incl. Labor und Fortbildungsräumen.

    Die Villa befindet sich bis heute im Familienbesitz.

  • Architektur

    deutsche Neu -Renaissance

    Der Bauplan von Villa Haas

    Die Villa Haas stellt für die Lahn-Dill-Region ein einmaliges Beispiel einer äußerst repräsentativen Wohnanlage dar.

     

    Der aus Haupt- und Nebengebäude bestehende Komplex ist längsseitig nach Norden ausgerichtet. Er besteht aus einem stimmungsvoll vorgebauten und schmiedeeisern dekorierten Rondell, Stützmauerwerk für Terrassen, die malerisch in die hinterliegenden Wald- und Felslandschaft integriert sind.

     

    Der Baustil, auch deutsche Neu -Renaissance genannt bedient sich einer klar durchstrukturierten Grundrissform. Von der Hofseite erscheint der Haupttrakt als großvolumiger polygonaler Block, dem ein Helm verzierter Treppenturm mit einem an der Dachspitze erkennbaren Bergbausymbol aufgesetzt ist.

    Originalpläne Ludwig Hofmann 1892

    Originalpläne Ludwig Hofmann 1892

    Renaissancehaft gegliederte Sandsteinfassaden, drei schmiedeeisern umrandete Balkone, reich gegliederte Dach- und Giebelformationen rufen mit dem wetterfahnenbekrönten 30 m hohen schlanken Glockentürmchen einen malerischen Gesamteindruck hervor.

     

    Die Variabilität der Einzelteile, der Wechsel der Fassadenansichten dienten dem Repräsentationsbedürfnis der damaligen Eigentümer.

     

    Die Erstbeschreibung der Anlage erfolgte 1894 in der neugegründeten architektonischen Rundschau, Darmstadt.

     

     

     

     

    Originalpläne Ludwig Hofmann 1892

    Viele Details in jeder Ecke

    Auch heute noch interessieren sich angehende Architekten für den damals von der Pariser Weltausstellung geprägten Baustil. Stahlbetonbauweise kombiniert mit Bruchstein und Fachwerk, Zentralheizung auf Elektro umschaltbar, biologische Brauchwassernutzung mit Zisterne, Palmenhaus sowie allseitige Autonomie mit einer Bibliothek sowie durch eigene Wasserversorgung, Eiskeller, Nutzgarten und Möglichkeiten der Tierhaltung sind beispielhaft. Die Glasmalereien der Treppenhausfenster beziehen sich auf Entwürfe von Johann Heinrich Schilbach, Landschaftsmaler 1798-1851 und stellen romantische Motive um Oberwesel am Rhein dar.

     

    Nutzfläche ohne Nebengebäude ca. 760 qm - 5 Morgen Parkfläche

    Durch geschickt an die Hanglage angepasste Terrassierung erscheint die Raumaufteilung größer. Einfallsreiche Wegeführung zu den Details der Anlage tragen zum architektonischen Gesamtkunstwerk bei.

     

     

     

  • Glockenturm Villa Haas

    mit Stunden und Viertelstunden Schlag

  • Bergpark der Villa Haas

    Pflanzen- und Baumbestand

    Pflanzenbestand

    • Seltene Pflanzen: z. B. Orchideen (Waldvöglein), die schon als ortsständig in der Flora Herbornensis von Johann Daniel Leers, 1775 beschrieben wurden oder durch den verstorbenen Heimatforscher Carl Löber Erwähnung fanden
    • Besonderheiten: z. B. Blaue sibirische Scilla, Lärchensporn, Bärlauch, Maiglöckchen, Eisenhut, Aronstab, grüne  u. schwarze Nieswurz, Salomonssiegel, Esels-Wolfsmilch, rotfrüchtige Zaunrübe, schwarze Tollkirsche und bittersüßer Nachtschatten
    • Bäume und Sträucher: Blut-, Rot-, Weiß-, Trauerbuchen, Gemeine- und Hängeeschen, Tulpenmagnolie, Zierapfel, Rot-, Stiel-, Pyramiden-, Scharlacheichen, Faulbaum, Essigbaum, Akazien, Silber-, Trauerweiden, Sommer- und Winterlinden, Trauerulme, Abendländischer Lebensbaum auch in  Pendulaform, Kanadische und Japanische Hemlocktannen, Trompetenbaum, Stechpalme, Gingko, Felsenbirnen, Wildkirsche, aufgepfropfte Trauerbirke, Sandbirke, Schwarzkiefer, Himalajakiefer blaue Mädchenkiefer, Waldkiefer, Latsche,  Kugelfichten, Serbische Fichten, gemeine Fichte, Blaufichte,  Coloradotanne, pazifische Edeltanne, Nordmannstanne, grüner+blauer Riesen-Bergmammut (s. a.  Mammutregister ID-Nr. 11274 + 11275),  Nußbaum, Libanonzeder, Berg-, Feld- u. Spitzahorne,  Holunder (schwarz + nigra Madonna), Flieder, Jasmin, Liguster, Sanddorn, Japanische Zierquitte, Mahonien, Ölweide, Säulen- und Buscheiben, Pfaffenhütchen, Berberitzen, Weiß- und Rotdorn, Schlehenpflaume, Rhododendren, Eß- und Roßkastanien, Douglasien, Hortensien, Wachholder, Hinoki- u. Lawsonscheinzypressen, blaue Säulenscheinzypressen, Buchsbaum, Kirschlorbeer, Lärchen, Giftsumach, Schlehe, Douglasie, Maulbeere, wilde Johannisbeere, Zwergmispel, Hartriegel,  Duftschneeball, Goldglöckchen, Sommer- u. Winterjasmin,
    • Verlust 2010: Sturmschaden 30 m hohe Scheinzypresse
    • Parkpflege 2010: Fällung von zwei Rotfichten, einer Blaufichte und fünf Douglasien zur Wiederherstellung der historischen Sichtachsen Richtung Schloß Herborn, Burg Greifenstein und „Villa Marie“
    • Neuanpflanzung 2010/2011: Wollemia, Araucarien (Andentanne/Affenbaum), Lebkuchenbaum, Taschentuchbaum, Blauglockenbaum, Tulpenbaum

    Das ausgehende 19. Jahrhundert hat beim auftretenden Großbürgertum zu zahlreichen Kopien bedeutender deutschen Gartenkünstler, die vom englischen Park beeinflusst wurden, geführt.

     

    Die deutsche Variante: Architektur und Landschaftsgarten als „Bildungserlebnis“ wird von manchen Kunsthistorikern auch heute immer noch als fragwürdige Verirrung abgetan.

     

    Dennoch lohnt es sich die wenigen gelungenen und erhaltenen Parkanlagen dieses Jahrhunderts zu bewahren.

    Park von mittellateinisch parricus – Raum einer Umzäunung zur Haltung von Tieren.

     

    Der raumfressenden Industrielandschaft des Sinner Dilltals wurde hier die bürgerliche Architektur des bismarckschen Dreiständestaates entgegengesetzt. Während der englische Landschaftspark die frühen Formen des Liberalismus übernimmt, schottet sich der historistische Garten gegenüber den umliegenden Häusern der Angestellten und Arbeiter mit kunstvollen schmiedeeisernen Zäunen und Toren sowie Mauern ab.

     

    Grenzenlos jedoch zeigt sich die Parkbegeisterung * in Teich- und Springbrunnen, Grotten, Putti, Ruinen und Laubengängen. Selbst die Sehnsucht nach ostasiatischen Teehäusern wird im Park der Villa Haas nachempfunden.

     

    * Parkomanie = ständige Bereitschaft in Projekte erhabener ökonomischer Zwecklosigkeit zu investieren.

  • Park und Villa Haas

    Historismus, Kunst und Lebensstil

     

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